Female Friendly Porn – Kann es das überhaupt geben?

25 Prozent aller Suchanfragen im Internet drehen sich um Pornografie. Das sind rund 68 Millionen Suchanfragen täglich. Unwahrscheinlich, dass hier irgendjemand nicht weiß, was ein Porno ist. Ebenfalls unwahrscheinlich, dass hier jemand mitliest, der noch nie in seinem Leben einen Porno gesehen hat. Manchmal hat man gar das Gefühl, Pornografie ist heutzutage präsenter denn je. Kein Wunder, macht die Industrie doch einen Umsatz von 12,6 Millionen Euro – täglich. Und Deutschland liegt übrigens ziemlich weit vorne was den Porno Traffic angeht. Nur Fußball mögen wir Deutschen noch lieber: Während des Champions-League-Finales 2013 brachen die Zugriffszahlen von Pornhub um 40 Prozent ein. Ob diejenigen (-Achtung, sexistisches Klischee!-), die zu der Zeit noch auf Pornhub unterwegs waren, zum Großteil Frauen waren? Schon möglich. Schließlich kommt ein Viertel der Klicks auf Pornoseiten wie Pornhub von Frauen. Doch was suchen Frauen – und was finden sie?

Frauen als Objekt der Begierde

Female Friendly Porn Symbolbild
Quelle: Photo by ian dooley

Pornos wie wir sie heute kennen, sind normalerweise von Männern für Männer gemacht. Ich behaupte relativ selbstbewusst, dass das ein Fakt ist, den wir nicht infrage stellen müssen. Natürlich stehen Frauen in (Hetero-)Pornos gewissermaßen im Mittelpunkt, aber nicht, um weibliche Lust und Befriedigung zu zeigen. Frauen sind im Porno Objekt der Begierde, nicht selten auch Objekt der Machtausübung. Sie dienen zur Befriedigung männlicher Lust, als Eroberung. Corinne vom makellosmag stellte deswegen bereits 2014 eine spannende Frage:

Es geht hier um Pornos. Um ein Medium, das weibliche Lust sowieso sehr, nun ja, frei interpretiert. Ich wage mal die steile These, dass den meisten Frauen im realen Leben bei Mainstreampornopraktiken nur ein müdes Lächeln entweichen würde & nicht das anhaltende ohrenbetäubende Lustgeschrei, was uns der Porno vorgaukelt. Erwarten wir von diesem Medium eine adäquate Darstellung weiblicher Lust? Überhaupt eine Aussage zu Sex aus Frauensicht?  

Diese sexuelle Diskriminierung von Frauen in Pornos ist es auch,  welche die Frage aufwirft: Kann es Female Friendly Porn überhaupt geben? Oder reduziert es sich nicht immer auf die erniedrigende Darstellung und die sexistischen Rollenbilder? Werden diese Rollenbilder nicht viel zu oft in einem bedenklichen Maß in die Realität übertragen und führen sie da nicht zu falschen Erwartungen und toxischen Verhaltensweisen von Männern? Kann Pornographie „frauenfreundlich“ sein und wenn ja, wie unterscheidet sie sich dann von der Pornographie für Männer?

Was ist Female Friendly Porn?

Auf vielen Pornoseiten findet man mittlerweile Kategorien wie „Female Friendly“ oder „For Women“. Der Inhalt jedoch ist im Prinzip der gleiche wie auf dem Rest der Seite. Irgendjemand hat halt einen Tag „For Women“ drangehangen: Vielleicht weil es ein Lesbenporno ist, vielleicht weil ein Filter über dem Video liegt oder im Hintergrund romantische Musik läuft. Sehr wahrscheinlich, weil das Setting etwas hochwertiger ist und über einen fleckigen Teppich und eine abgeranzte Couch hinausgeht.

Wenn man mal ganz oberflächlich danach sucht, was denn Female Friendly Porn sein soll, bekommt man Antworten wie: Frauen werden anders stimuliert als Männer, deswegen müssen die Pornos anders sein. Aha, okay, aber wie anders denn? Angeblich, so lese ich, stehen Frauen ja mehr auf Küssen, mehr auf Romantik, weniger Penetration, mehr Kuscheln.

So richtig kann und möchte ich mich mit dieser Definition nicht anfreunden. Nicht jede Frau (und auch nicht jeder Mann) hat schließlich die gleichen sexuellen Vorlieben. Das macht es vermutlich auch so schwer, Female Friendly Porn zu definieren. Petra Joy kontert dieser Vorstellung vom Female Friendly Porn:

I hate the term ‘female-friendly’ because it sounds a bit like ‘child-friendly.’ It’s patronising and implies that women need a special, non-adult kind of porn: romance, roses, soft-focus and soft-core. None of the above is true – most women do not need a romantic plot to get turned nor do they enjoy endless soft-focus shots of non-explicit sex.”

Girls Girls Girls
Quelle: Photo by Joshua K. Jackson

Stellen wir also klar: Frauenfreundliche Pornographie muss nicht weniger explizit sein als das, was wir bislang kennen. Der Unterschied liegt in den Fantasien, die angeregt und angesprochen werden. Es geht um Leidenschaft und Befriedigung – auf einer Ebene, die über einen Cumshot hinausgeht. Mehr fühlen, weniger faken. Männliche und weibliche Körper sollten gleichwertig und ästhetisch (anstelle von voyeuristisch) in Szene gesetzt werden. Das heißt, vom Mann sieht man auch mal mehr als nur den Penis.

Es geht um den Sex, den Frauen sich vorstellen – der ist vielfältig, natürlich. Bei der Produktion bleibt das weibliche Publikum im Hinterkopf, ohne in die Falle zu tappen, anzunehmen, Frauen wollten weniger expliziten Content. Dazu gehört natürlich Recherche und Feingefühl. Was wollen Frauen denn sehen? Wollen heterosexuelle Frauen vor allem attraktive Männer in Pornos sehen? Oder wollen sie den Fokus auf der Frau sehen, damit sie sich identifizieren können? „Lesbian“ ist die meistgeguckte Pornokategorie von Frauen und ganz sicher sind nicht alle Zuschauerinnen selbst lesbisch. Aber wie stellt man lesbische Sexualität richtig dar, wenn es nicht darum geht, nur die Lust von Männern zu befriedigen? All das muss bedacht werden, wenn Female Friendly Porn produziert wird.

Petra Joy stellt sich darunter beispielsweise folgendes vor: Wenn sie einen Dreier filmt, dann wird die Frau von zwei Männern oral befriedigt, anstatt dass ein Mann von zwei Frauen einen Blowjob bekommt. Auch die beiden Männer würden dann miteinander agieren (denn der Mainstream-Porn fällt oft durch eklatante Homophobie auf).

Mehr als nur frauenfreundlicher Inhalt

Doch Female Friendly Porn meint nicht nur frauenfreundlichen Inhalt. Es bezieht sich auch auf die Arbeitsbedingungen:

– Fairer Lohn für alle Beteiligten

– Die Darsteller haben Mitspracherecht und werden niemalszu sexuellen Praktiken gedrängt

– Menschen werden nicht entmenschlicht und nicht gedemütigt, weder am Set noch im Rahmen des Marketings (keine Schlampen oder MILFs)

Es kann natürlich gestritten werden, ob es die Bezeichnung „Female Friendly Porn“ braucht. Erstens zieht man damit eine klare Abgrenzung zu „normalen“ Pornos und schafft damit die Idee einer Nische und dass Pornographie für Frauen etwas ungewöhnliches oder unnormales ist. Gleichzeitig schließt es gewissermaßen männliche Zuschauer aus, was natürlich Quatsch ist. Schließlich steht auch nicht jeder Mann auf Mainstream Porn. Gleichzeitig ist so ein Label natürlich hilfreich, wenn Menschen nach genau den genannten Kriterien suchen (Fokus auf weibliche Lust, gleichberechtigte Darstellung, hochwertigere Produktion).

Faire Arbeitsbedingungen und die absolute Freiwilligkeit aller Handlungen sind der Grundstein für Female Friendly Porn. Danach muss sich eine jede die Frage stellen, ob man Pornographie als Form der sexuellen Freiheit begreifen kann. Viele können das anscheinend, denn im letzten Jahrzehnt sind nicht wenige Produktionsfirmen und Plattformen für feministische Pornos entstanden. Die „PorYes“-Bewegung (als Reaktion auf die PorNo-Initiative) zeichnete bereits regelmäßig Pornos aus, die auf sexpositive Darstellung weiblicher Lust setzten und dazu vielfältige sexuelle Ausdrucksweisen darstellten. Tatsache bleibt, dass das Porno-Geschäft nach wie vor von Männern dominiert wird, sowohl auf der Seite der Produzenten, als auch der Konsumenten. Ob sogenannte frauenfreundliche Pornos tatsächlich feministisch wertvoll sind, lässt sich nur schwer beantworten.

Ich persönlich bin der Meinung, dass es Female Friendly Porn geben kann.

Wie seht ihr das? Denkt ihr, Female Friendly Porn kann es geben?

 

Quellen und weiterführende Links:

Vice: Do Women Actually Watch Female Friendly Porn?

Pornhub: What Women Want

MarieClaire: 12 Pornoseiten für Frauen

Bento: Frauen gucken viel mehr Pornos als sie offen zugeben. Du auch?

Netzsieger: Internetpornographie – Zahlen, Daten, Fakten

Titelbild: Photo by Maru Lombardo on Unsplash

6 Gedanken zu „Female Friendly Porn – Kann es das überhaupt geben?

  1. Hey!
    Ein wirklich interessantes Thema, danke für den Input.
    Ich denke schon, dass es das geben kann, ich würde mich da auch auf die von dir benannten Punkte beziehen.
    Letztendlich hat ja jeder seine eigenen Vorlieben, und wie auch im Text beschrieben wurde – nicht jede Frau steht auf romantischen Kuschelsex mit schöner Musik. 🙂
    Mehr fühlen, weniger faken finde ich als Aspekt in dem Zusammenhang im Übrigen wichtig!

    Der Link von Petra Joy funktioniert übrigens (gerade?) nicht (mehr).
    Das Label für frauenfreundliche Pornos finde ich gut, eine Abgrenzung wäre es damit ja eigentlich nicht, sondern irgendwie eine Erweiterung. 🙂 Finde ich zumindest.

    Liebe Grüße,
    Nicci

  2. Hi.
    Ja es gibt ihn, den „Female Friendly Porn“. Sogar prämiert und ausgezeichnet. Die Filme von Erika Lust. Erika gilt als eine der Pionierinnen feministischer Pornografie.

    Liebe Grüße,
    Tom

  3. Yum tuv, Katie.
    Im Grunde ist nichts asexueller als der konventionell abgenudelte (sic!) US-Porno. Gemahnt eher an einen Workout in der Muckibude. Ein Stellungsmehrkampf mit „ohne Kleider“. Jede Sinnlichkeit parkt dabei weit außerhalb der Stadtgrenze.
    Was Wunder, dass manche Männer eine penetrant abgefeierte Dauerpenetration mit Sex gleichsetzen. Im Grunde nur die Einstellung armer Würstchen…

    Der sinnliche Sex (straight oder lgbt) findet sich in allerlei Indi-Filmen der letzten Jahrzehnte, die sich mit dem Thema einer Liebe oder allgemein mit dem Leben beschäftigen. Anmerkenswerterweise sind viele von Regisseurinnen inszeniert. Heitere oder ernste Filme, die ihre Figuren als Ganzes beleuchten.
    Sex nicht ausgewalzt wie im Porno, sondern als der schöne Bestandteil des jeweils geschilderten Alltags „Leben“.

    Hier dazu noch ein Trailer zum israelischen Film ‚Barash‘; ein simples Gespräch nur, aber mit mehr Sinnlichkeiten im kleinen Finger, als im Porno der Marke „Handelsüblich“.

    for your consideration.

    bonté

  4. […] Female Friendly Porn – Kann es das überhaupt geben? […]

  5. […] Freiheit, bitte!“. Sex wird auch bei Frankly, my dear… von Kati thematisiert. In „Female Friendly Porn – Kann es das überhaupt geben?“ schreibt sie über, wie der Name schon sagt: Female Friendly Porn. Das heißt nicht, dass man […]

  6. […] ist noch nicht so lange her, dass ich über Female Friendy Porn gesprochen habe. Kurz darauf erschien bei FeministCurrent ein Beitrag über Missbrauch im […]

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