Rezension: Jennifer Benkau – Es war einmal Aleppo

Es war einmal Aleppo ist ein Jugendroman von Jennifer Benkau, der im Dezember 2016 gemeinsam mit den Ink Rebels veröffentlicht wurde. Die Taschenbücher werden mittlerweile vom Amrûn Verlag gedruckt und vertrieben.

Es war einmal Aleppo – Inhalt

Es war einmal Aleppo Jennifer BenkauDie Geschichte spielt im Sommer 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen. So auch in den Heimatort der 16-jährigen Antonia. Direkt gegenüber ihres Elternhauses wird in einem alten Tennisclub eine Unterkunft für Flüchtlinge eingerichtet. Und alle sind skeptisch: Muss das denn wirklich direkt hier in der Wohnsiedlung sein? Nur Tonis beste Freundin Fee sieht das anders. Sie hilft ehrenamtlich in dem Heim – und nimmt Toni einfach mit. So trifft Toni auf Shirvan und erfährt mehr über sein Leben, den Krieg in Syrien und die Flucht…

Thema sind dabei die Vorurteile, die viele Menschen hierzulande gegenüber Geflüchteten haben aufgrund der Unterschiede in Religion und Kultur. Das Buch greift die realen Konflikte unserer Gesellschaft auf und projiziert sie auf Tonis Familie und Nachbarschaft.

So hat mir das Buch gefallen

Inhaltlich hat mich das Buch sehr schnell gefesselt und berührt. Ich denke jeder in Deutschland kann sich auf irgendeine Art und Weise in Toni hineinversetzen, egal ob man selbst Kontakt zu Flüchtlingen hatte oder das Thema nur über Nachrichten oder Bekannte verfolgt hat. Tonis Konflikte sind nachvollziehbar, sowohl die inneren, als auch die, die sie mit Menschen um sich herum hat. Der Leser wird zügig in die Geschichte eingeführt und quasi wie Toni vor vollendete Tatsachen gestellt. Und gemeinsam mit Toni entwickelt man auch als Leser neue Gedanken, neue Ansichten und lernt viel dazu – so ging es zumindest mir.

„Was absolut alle vergessen“, seine Stimme wird leider, „ist, was die Menschen wollen, die in Syrien leben. Die Christen und Muslime und Armenier und Chinesen. Scharfschützen, Giftgas, Bomben und Raketen können sie nicht aufhalten. Sie demonstrieren bis heute für Freihit, Frieden und Demokratie. Sie träumen davon. Und wer begreift, dass Syrien nach fünf Jahren Krieg zu zersplittert ist, um diese Träume zu erfüllen, der flieht, solange er noch kann. Tote, Hoffnungslose und Träume bleiben zurück.“ (S.180)

Der Kontakt zwischen Toni und Shirvan wird sehr schnell sehr intensiv, was mich aufgrund von Tonis Vorbehalten etwas skeptisch machte, aber absolut nicht aus dem Lesefluss brachte. Im Gegenteil: so lernt man auch als Leser Shirvan sehr schnell kennen und schließt ihn ins Herz.

Zum Teil wirkten die Argumente derjenigen, die gegen das Flüchtlingsheim sind, sehr plakativ und populistisch – andererseits sind das eben auch genau die Dinge, die man in sozialen Medien liest oder andernorts vernimmt. Hier eben zugespitzt dargestellt, aber nicht aus der Luft gegriffen.

Dank der flott erzählten Handlung wird das Buch an keiner Stelle uninteressant. Es packte mich auf allen Gefühlsebenen und ließ mich schon nach den ersten Seiten nicht mehr los. Nach jedem Kapitel wollte ich wissen, wie es weitergeht – wie Toni sich entwickelt, was Shirvan zu erzählen hat und was mit allen den anderen Menschen um die beiden herum passiert. Und über allem schwebte natürlich immer die Frage: Werden Toni und Shirvan sich verlieben? Und wenn ja: werden sie auch zueinander finden? Und das ist das Schöne an besonders toll geschriebenen Jugendbüchern: mit den Protagonistin gemeinsam die Aufregung zu spüren, das Bauchkribbeln, die Angst, den Frust und vielleicht am Ende die große Liebe.

Jennifer Benkau überzeugt auch durch ihre Sprache und ihren Stil

Durch ihre Sprache schafft es Autorin Jennifer Benkau, dieser Geschichte Leben und Gefühl einzuhauchen. Es war einmal Aleppo ist aus Tonis Sicht geschrieben und so liest es sich auch: locker, jugendlich, verständlich ohne jemals zu gezwungen oder einfältig zu wirken. So schafft sie es mühelos, dass auch erwachsene Leser von diesem Roman begeistert werden können. Sehr gut bringt Jennifer Benkau die Unterschiede der deutschen und der arabischen Sprache zur Geltung. Jede Figur im Buch hat ihre eigene Stimme, um ihr Charakter zu verleihen.

Mein Fazit

Es war einmal Aleppo ist kein Buch wie jedes andere. Es ist ein Buch, das mich zutiefst berührt hat. Es hat mich zum Weinen gebracht (mehrmals), es hat mich nahe an Wut und Verzweiflung getrieben, und gleichzeitig hat es mir so oft ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ich habe viel gelernt durch dieses Buch – über die Situation von Flüchtlingen, über Syrien und vor allem, sich für die Menschlichkeit einzusetzen.

Natürlich hat Jennifer Benkaus Buch eine moralische Aussage, aber es geht hier nicht um Schönrederei. Es geht um etwas viel wichtigeres: nämlich darum, Menschen zuzuhören, sie kennenzulernen und nicht vorschnell über sie zu urteilen, egal, wo sie herkommen, wie sie aussehen oder welcher Religion sie angehören. Ich finde, jeder sollte dieses Buch lesen.

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